Die Kalibrierung von Relativdrucksensoren ist die Grundlage für belastbare Messwerte in Prozess-, Prüf- und Automatisierungsanwendungen. DDM Sensors führt die Kalibrierung im Labor mit rückführbaren Referenzen durch und dokumentiert die Ergebnisse als Werks- oder akkreditierte Kalibrierung. Für technische Entscheider sind dabei insbesondere der Bezug zum Umgebungsdruck, Messabweichung, Hysterese, Drift und Messunsicherheit relevant.
Die Bedeutung präziser Druckmessung
Relativdrucksensoren messen den Druck bezogen auf den Umgebungsdruck. Bereits geringe Abweichungen können die Regelgüte, die Prozessstabilität und die Qualitätssicherung beeinflussen.
- Prozesssicherheit: Abweichende Druckwerte führen zu fehlerhaften Schalt- und Regelpunkten.
- Qualitätsnachweis: Reproduzierbare Messwerte sind für Prüfstände, Fertigung und End-of-Line-Tests erforderlich.
- Auditfähigkeit: Dokumentierte Kalibrierergebnisse unterstützen interne und externe Nachweise, etwa nach ISO 9001.
- Anlagenverfügbarkeit: Früh erkannte Drift reduziert ungeplante Stillstände und Nacharbeit.
Grundlagen der Kalibrierung von Relativdrucksensoren
Kalibrierung bedeutet den Vergleich des Prüflings mit einem rückführbaren Referenznormal unter definierten Bedingungen. Eine Justierung ist davon zu unterscheiden: Sie greift aktiv in den Sensor ein, um Nullpunkt und Spanne zu korrigieren.
Bei Relativdrucksensoren ist der Bezug zum Umgebungsdruck messtechnisch entscheidend. Deshalb müssen Umgebungsbedingungen, Einbaulage, Vorbelastung gegen mechanische Setzeffekte und Druckversorgung während der Kalibrierung stabil gehalten werden.
Wichtige Kenngrößen sind:
- Messabweichung: Differenz zwischen angezeigtem Wert und Referenzwert.
- Hysterese: Unterschied zwischen auf- und absteigender Messreihe.
- Drift: Langzeitveränderung des Messverhaltens.
- Messunsicherheit: Gesamtbewertung der Unsicherheitsbeiträge aus Referenz, Aufbau und Umgebungsbedingungen.
Benötigte Ausrüstung für die Kalibrierung
- Prüfling: Der zu kalibrierende Relativdrucksensor, idealerweise mit vollständiger Typenbezeichnung, Anschlussart und gegebenenfalls Dekontaminationserklärung.
- Referenznormal: Ein Druckkalibrator oder ein anderes rückführbares Referenzsystem mit ausreichendem Genauigkeitsverhältnis, typischerweise mit TUR/TAR-Betrachtung.
- Druckerzeugung: Handpumpe, Druckregler oder programmierbarer Druckcontroller für stabile und reproduzierbare Druckpunkte.
- Datenerfassung: Multimeter, Prozesskalibrator oder geeignete Erfassungseinheit zur Aufnahme des Ausgangssignals.
- Umgebungsmesstechnik: Thermometer und Barometer zur Überwachung von Temperatur und Luftdruck.
- DDM Spezialservice: Kalibrierung bei unterschiedlichsten Temperaturen von −40 °C bis +150 °C.
- Prüfstrecke: Dichte Verbindungselemente, Adapter und geeignete Dichtungen für einen leckagefreien Aufbau.
Der Kalibrierungsprozess von Relativdrucksensoren bei DDM Sensors
Schritt 1: Vorbereitung des Messaufbaus
- Kalibrierort: Wir wählen eine stabile Laborumgebung mit kontrollierten Temperatur- und Druckbedingungen.
- Akklimatisierung: Der Prüfling wird vor Beginn temperiert, damit thermische Übergänge und Vorbelastungseffekte das Ergebnis nicht verfälschen.
- Visuelle Prüfung: Wir kontrollieren Sensor, Anschluss und Gehäuse auf Beschädigungen, Verschmutzung und Auffälligkeiten.
- Reinigung und Dokumentation: Falls erforderlich, berücksichtigen wir eine Dekontaminationserklärung und bereiten den Prüfling für den Laborbetrieb vor.
- Elektrischer Anschluss: Der Sensor wird passend zum Ausgangssignal an die Auswerteeinheit angeschlossen.
- Aufwärmphase: Vor der Messung lassen wir das System stabilisieren, um reproduzierbare Werte zu erhalten.
Schritt 2: Durchführung der Messreihen
- Messaufbau: Wir verbinden Prüfling, Referenznormal und Druckerzeugung zu einer dichten Prüfstrecke.
- Nullpunktabgleich: Bei Umgebungsdruck prüfen wir den Nullpunktbezug des Relativdrucksensors.
- Messpunkte: Anschließend fahren wir definierte Punkte über den Messbereich an, typischerweise 0, 25, 50, 75 und 100 %.
- Messrichtung: Wir erfassen aufsteigende und absteigende Messreihen, um Hysterese und Reproduzierbarkeit zu bewerten.
- As-found-Dokumentation: Die Werte vor einer eventuellen Justierung werden als As-found protokolliert.
- Stabilisierung: An jedem Messpunkt halten wir die erforderlichen Beruhigungszeiten ein, bevor wir den Wert übernehmen.
Schritt 3: Auswertung und Justierung
- Abweichungsberechnung: Wir vergleichen die Prüflingswerte mit dem Referenznormal und ermitteln die Messabweichung je Messpunkt.
- Spezifikationsvergleich: Die Ergebnisse werden gegen Herstellerspezifikationen und interne Toleranzgrenzen bewertet.
- Justageentscheidung: Falls der Sensor justierbar ist und die Abweichung dies erfordert, führen wir eine Zero/Span-Justage durch.
- As-left-Dokumentation: Nach der Justierung wiederholen wir die Messung und dokumentieren die Endwerte als As-left.
- Kalibrierzertifikat: Abschließend erstellen wir das Kalibrierzertifikat mit den relevanten Mess- und Umgebungsdaten.
Wichtige Einflussfaktoren und bewährte Praktiken
- Umgebungsbedingungen: Temperatur, Luftdruck und Luftfeuchtigkeit beeinflussen das Messergebnis und müssen stabil sein.
- Referenznormal: Genauigkeit und Langzeitstabilität des Referenzsystems sind für die Aussagekraft der Kalibrierung entscheidend.
- Einbaulage: Die Montageposition kann insbesondere bei empfindlichen Messzellen messrelevant sein.
- Druckversorgung: Schwankungen in der Druckerzeugung wirken sich direkt auf die Wiederholbarkeit aus.
- Messsignal: Die saubere Erfassung des Ausgangssignals ist Voraussetzung für eine belastbare Bewertung.
- TUR/TAR: Das Genauigkeitsverhältnis zwischen Referenz und Prüfling muss zur geforderten Messaufgabe passen.
Kalibrierzertifikate und metrologische Rückführbarkeit
Funktion und Notwendigkeit eines Kalibrierzertifikats
Ein Kalibrierzertifikat dokumentiert die Messergebnisse, die verwendeten Referenzen und die Umgebungsbedingungen. Es dient als Nachweis für Audits, für die interne Qualitätssicherung und für die Bewertung der Messgenauigkeit über den Lebenszyklus des Sensors.
Ein Werkskalibrierzertifikat ist für viele industrielle Anwendungen ausreichend, wenn eine dokumentierte Prüfung nach internem oder herstellerseitigem Verfahren benötigt wird. Eine akkreditierte Kalibrierung nach DAkkS / ISO 17025 ist dann relevant, wenn formale Rückführbarkeit und ein akkreditiertes Umfeld gefordert sind.
Rückführbarkeit auf nationale Normale
Die metrologische Rückführbarkeit beschreibt die lückenlose Kette vom Prüfling über Referenznormale bis zu nationalen Normen. Akkreditierte Labore sichern diese Kette über definierte Verfahren, dokumentierte Unsicherheiten und überwachte Messmittel.
Für den Anwender bedeutet das: Das eigene Referenznormal bleibt belastbar, wenn dessen Kalibrierung regelmäßig und nachvollziehbar erfolgt. So lassen sich Messsysteme im Betrieb konsistent bewerten und auditfähig betreiben.
Kalibrierungsdienstleistungen für Relativdrucksensoren von DDM Sensors
DDM Sensors bietet die Kalibrierung von Relativdrucksensoren im eigenen Labor an. Wir führen Werkskalibrierungen nach ISO 9001 sowie akkreditierte Kalibrierungen nach ISO 17025 durch.
- Werkskalibrierung: Dokumentierte Prüfung mit praxisgerechter Auswertung für industrielle Anwendungen.
- Akkreditierte Kalibrierung: Rückführbare Kalibrierung mit formalem Nachweis im akkreditierten Umfeld.
- Temperaturbereich: Auf Wunsch kalibrieren wir bei −40 °C bis +150 °C.
- Durchlaufzeit: Typischerweise ca. zwei Wochen.
- Serviceumfang: Kein Vor-Ort-Service.
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Häufig gestellte Fragen zur Kalibrierung von Relativdrucksensoren
Wie oft sollte ein Relativdrucksensor kalibriert werden?
Als praxisnaher Richtwert gilt ein Intervall von 12 Monaten. Bei Überlast, auffälliger Drift, Reparatur oder kritischen Anwendungen kann eine anlassbezogene Rekalibrierung sinnvoll sein.
Was ist der Unterschied zwischen Kalibrierung und Justierung?
Die Kalibrierung ermittelt die Abweichung des Sensors zum Referenznormal, ohne den Sensor zu verändern. Die Justierung greift aktiv ein, um Nullpunkt und Spanne zu korrigieren. Danach muss die Messung erneut überprüft werden.
Was bedeutet As-found und As-left?
As-found bezeichnet den Zustand und die Messwerte vor einer Justierung. As-left beschreibt die Werte nach einer eventuellen Justage und abschließender Prüfung. Beide Datensätze sind für die Bewertung der Sensorstabilität wichtig.
Wann ist eine akkreditierte Kalibrierung sinnvoll?
Eine akkreditierte Kalibrierung ist sinnvoll, wenn formale Rückführbarkeit, auditfähige Dokumentation oder kundenseitige Spezifikationen dies verlangen. Sie bietet ein höheres Maß an Nachweisführung als eine reine Werkskalibrierung.
